Von der Kultur in die Politik
Wolfenbüttel ist meine bewusste Entscheidung. Ich hätte überall leben können, aber ich habe mich für diese Stadt entschieden. Für eine Stadt mit Geschichte, mit kultureller Vielfalt, mit engagierten und freundlichen Menschen. Eine Stadt mit viel Potenzial.
Und genau deshalb will ich Bürgermeisterin werden: Weil ich diese Stadt mitgestalten möchte. Weil ich zeigen will, dass Visionen für eine lebenswerte, grüne Stadt Realität werden können.
Ich bin 37 Jahre alt und habe in den letzten 15 Jahren einen Weg zurückgelegt, der mich von Konzertsälen und Ensembleproben über Netzwerke und Interessenvertretungen in Rathäuser und politische Gremien geführt hat. Dabei habe ich gelernt: Gute Politik entsteht im Dialog. Und nirgendwo ist dieser Dialog wichtiger als vor Ort – dort, wo entschieden wird, ob der Schulhof endlich saniert wird, ob es genug Kitaplätze gibt, ob das Freibad ein schattiges Plätzchen für die Kleinsten bekommt.
Die Pandemie als Wendepunkt
2020 stand ich als Geschäftsführerin eines bundesweiten Kulturverbands plötzlich vor einer Situation, die alles auf den Kopf stellte. Von einem Tag auf den anderen brach für Tausende Künstler:innen das Einkommen weg. Ensembles, die seit Jahrzehnten existierten, standen vor dem Aus. In diesen Wochen habe ich begriffen, was Politik leisten kann – und muss. Ich verhandelte ein 35-Millionen-Euro-Hilfsprogramm, kämpfte um jede Regelung, schuf Perspektiven.
Vom Konzertmanagement zur politischen Arbeit
Begonnen hatte alles mit einer klassischen Gitarre. Mit neun Jahren bekam ich meine erste – was als Hobby begann, wurde zur beruflichen Leidenschaft. Nach meinem Abitur studierte ich Musiktheaterwissenschaften in Bayreuth und später Theater- und Orchestermanagement in Frankfurt. Ich wollte verstehen, wie Kultur funktioniert, wie sie organisiert wird, wie sie Menschen erreicht. Die folgenden Jahre führten mich nach Frankfurt, Bremen und Berlin – ich organisierte Konzerte, akquirierte Fördermittel, managte Produktionen und Festivals, betreute Künstler:innen und Produktionsteams. Ich liebte diese Arbeit, aber ich sah auch die Probleme: Freischaffende ohne soziale Absicherung, prekäre Arbeitsverhältnisse, Strukturen, die nicht funktionierten.
2016 gründete ich den Bundesverband FREO – Freie Ensembles und Orchester in Deutschland e.V., und wurde deren Geschäftsführerin. Ich wollte nicht mehr nur für ein Projekt arbeiten, sondern für eine gesamte Branche Strukturen und Rahmenbedingungen verbessern. Parallel dazu begann ich mich politisch zu engagieren.
Der Schritt in die Politik – und nach Wolfenbüttel
2018 trat ich in Braunschweig den Grünen bei. Nicht wegen eines einzelnen Themas, sondern aus Überzeugung: Wir brauchen Menschen, die anpacken statt zuzuschauen. Die zuhören, bevor sie entscheiden. Ich wurde Sprecherin des Kreisverbands Braunschweig und arbeitete als Mitarbeiterin für den Bundestagsabgeordneten Ottmar von Holtz.
2021 zog ich nach Wolfenbüttel – und blieb politisch aktiv: als Sprecherin des Kreisverbands und Mitglied im Ortsvorstand Wolfenbüttel. Seit 2022 sitze ich als Bürgermitglied im Kulturausschuss der Stadt.
Parallel baute ich meine fachliche Arbeit weiter aus – im Präsidium des Deutschen Musikrats, im Sprecherrat des Deutschen Kulturrats und im Beirat der Künstlersozialkasse. Aber je mehr ich in diesen Strukturen arbeitete, desto klarer wurde mir: Die wichtigsten Entscheidungen fallen nicht in Berlin oder in Beiräten. Sie fallen hier, vor Ort.
Was ich hier erlebt habe
In Wolfenbüttel habe ich erlebt, was Lebensqualität wirklich ausmacht. Das Summertime Festival, und die Veränderbar, die junge Menschen verbinden. Landesmusikakademie, Stadtmarkt, Abendmarkt, Vereine und Initiativen. Aber ich habe auch erlebt, wo es hakt: Wenn Schulhöfe jahrelang auf ihre Sanierung warten. Wenn gute Ideen – wie die Fahrradzone in der Innenstadt oder mehr Grün im öffentlichen Raum – nicht konsequent umgesetzt werden. All das sind keine abstrakten Politikthemen. Das ist der Alltag der Menschen hier.
Was ich mitbringe
Nach 15 Jahren Arbeit in Vereinsstrukturen, Gremien und politischen Zusammenhängen bringe ich einiges mit: Erfahrung im Management komplexer Organisationen, im Aufbau von Netzwerken, in der Moderation zwischen verschiedenen Interessen. Ich kann Budgets verantworten, Teams führen, Projekte entwickeln.
Ich habe gelernt, wie man Beteiligungsstrukturen aufbaut – in Gremien, in denen Menschen gemeinsam politische Positionen entwickeln. Ich habe Qualifizierungsangebote verantwortet und Menschen dabei unterstützt, neue Aufgaben zu übernehmen.
Aber vor allem bringe ich eine Überzeugung mit: Gute Politik entsteht nur im Austausch mit den Menschen. Deshalb möchte ich genau das tun: Strukturen schaffen, die Beteiligung ermöglichen. Zuhören, bevor ich entscheide. Pragmatische Lösungen finden, die wirklich helfen – bei Mobilität und Klimaschutz, bei Kinderbetreuung und Wohnen, bei Kultur und sozialer Infrastruktur.
Die Zukunft von Wolfenbüttel gestalten wir zusammen. Das ist kein Slogan, sondern mein Versprechen.
Lena Krause
